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Fachtagung „Wir bleiben dran...“

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Schloß Trebnitz war zusammen mit seinen bewährten Partnern, dem Berlin-Brandenburgische Landjugend e. V. und dem Kreis-Kinder- und Jugendring Märkisch Oderland e. V., vom 20.-21. Februar 2020 zum wiederholten Mal Organisator und Gastgeber für eine Konferenz zur Stärkung der Jugend(sozial)arbeit in Brandenburg. Sie wurde von Christian Raschke, Vielfalt gestalten, erneut in der Planung begleitet und moderiert.

Die Tagung konnte in dieser Form ihr vierjähriges Jubiläum begehen!

Es ist gelungen, die Interessen von Teilnehmenden immer wieder neu zu berücksichtigen und darüber hinaus nah dran an aktuellen Herausforderungen im Arbeitsfeld und auch gesellschaftlichen Entwicklungen zu bleiben. Die Stärkung von Kompetenzen im Bereich der politischen Bildung hat sich dabei als wesentlich erwiesen. Aber auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstverständnis und den Möglichkeiten der Einflussnahme auf Rahmenbedingungen im Arbeitsfeld. 

Dieser Anspruch lag auch der Tagung im Februar 2020 zugrunde. Im Mittelpunkt stand wie schon im Vorjahr das Thema „Beteiligung“, insbesondere im Zusammenhang mit dem Paragrafen 18a, seit 2018 Bestandteil der Brandenburger Kommunalverfassung, aber auch unter Berücksichtigung weiterer aktueller Themen (Gendergerechtigkeit und Nachhaltigkeit). Die Teilnehmenden hatten Gelegenheit, sowohl ihre theoretischen Kenntnisse zu vertiefen als auch praktisches Handwerkszeug zu erwerben. Wichtig war natürlich auch der Blick über den Tellerrand und die Vernetzung über den eigenen Landkreis hinaus. Vertreter*innen aus insgesamt 11 Landkreisen und kreisfreien Städten sowie aus Berlin waren zu Gast in Trebnitz.

Erster Tag:

Zwei Impulsvorträge zu Beginn beschäftigten sich sowohl mit den Chancen und Grenzen von Kinder- und Jugendbeteiligung, vor allem im Zusammenhang der Haltung von Erwachsenen und Pädagog*innen, als auch mit dem aktuellen Stand der Entwicklungen im Kontext des Paragrafen 18a. Hier zeigte sich insgesamt eine positive Entwicklung mit vielfältigen und innovativen Ansätzen (z. B. Zukunftshaushalt, monatliche Sprechstunden von Bürgermeister*innen für Kinder und Jugendliche, Benennung von Ansprechpartnern usw.).

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Präsentation „Gut gemeint – schlecht gemacht? Chancen und Grenzen von Beteiligungsformaten“, Prof. Florian Hinken, EHB

Präsentation „Stand & Einschätzung: Entwicklungen im Kontext 18a seit Februar 2019“, Dominik Ringler, KiJuBB

Ein dynamisches und positives Bild ergab auch die Sammlung gelungener und vielversprechender Ansätze und Projekte der Jugendbeteiligung in Brandenburger Kommunen im Plenum. Teilnehmende, darunter auch Jugendliche, berichteten u. a. von

  • Aktivitäten des Jugendparlaments in Ahrensfelde (BAR)
  • von einem aktuell laufenden Prozess zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendbeteiligung in der Gemeinde Müncheberg (MOL)
  • von Struktur und Arbeitsweise des Jugendparlaments Strausberg (MOL)
  • von einem langen, aber erfolgversprechenden Aushandlungsprozess zwischen Jugend und Gemeinde zur Schaffung einer Skaterbahn in der Gemeinde Groß Pankow (PR)
  • von Organisation und Netzwerk rund um die Jugendkonferenz in Königs Wusterhausen (LDS)
  • von der Gründung des Jugendparlaments in Wriezen (MOL) 2019 und seinen Zukunftsplänen
  • von Erfahrungen mit dem Format Jugendkonferenz und mit der Erarbeitung eines Beteiligungskonzeptes in Cottbus sowie
  • von Versuchen digitaler Beteiligung mit der App PLACEm in Beeskow (LOS).

In vier dreistündigen Workshops konnten sich die Teilnehmenden darüber hinaus intensiver thematisch fokussieren, Erfahrungen in kleineren Gruppen austauschen und ihr methodisches Know-How erweitern.

Zum Jugendparlament (Jupa) als eine mögliche Form der Beteiligung auf kommunaler Ebene trafen Mitglieder etablierter Jupas und in der Gründung befindlicher Gruppen sowie Jugendliche und Erwachsene aufeinander. Sie diskutierten unter anderem, ab wann ein Jupa rechtlich legitimiert und in das kommunale Gefüge eingebunden ist, wie die kontinuierliche Arbeit mit den Mitgliedern gut gelingt und was die Rolle und Aufgabe der Jugendarbeit sein sollte. Mit dem Workshop wurde eine gute Basis für die Weiterarbeit und den kontinuierlichen Austausch geschaffen.

Fotodokumentation „Das Beispiel Jugendparlament“, Workshopleitung: Sven Gräßer & Fabian Brauns, KKJR MOL

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Im Workshop zur Entwicklung von kommunalen Beteiligungskonzepten wurde sich mit Schlüsselfragen, dem Prozess und seinen Phasen, den Schritten der Konzeptentwicklung und der Ist-Stand-Analyse beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation in der eigenen Kommune wurde für die Gruppe insbesondere durch den Austausch untereinander wertvoll ergänzt.

Fotodokumentation „Kommunale Beteiligungskonzepte entwickeln“, Workshopleitung: Dominik Ringler, KiJuBB

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Die Auseinandersetzung mit dem Thema Gendergerechtigkeit wurde vor allem mit Hilfe von Bild- und Textmaterial initiiert. Aber auch Beispiele der Teilnehmenden befruchteten die Diskussion und Reflexion über zum Beispiel Zuschreibungsmechanismen und damit verbundene Verhaltensmuster. Der Frage nachgehend, wie mehr Gendergerechtigkeit in den eigenen Handlungsfeldern hergestellt werden kann, zeigte sich insbesondere die eigene Vorbildfunktion als bedeutsam, z. B. durch die Berücksichtigung gendergerechter Sprache, das Achten auf Geschlechterheterogenität (Quotierung, Wortanteile etc.), die Entkopplung von Geschlecht und Erwartung bzw. eigenem Verhalten.

Fotodokumentation „Gender What? – ein interaktiver Workshop zu Gendergerechtigkeit in der Jugendarbeit“, Workshopleitung: Tanja Berger & Jenny Stiebitz, HochDrei e. V.

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Im Workshop zu Jugendarbeit im Kontext ökologischer Debatten und Bewegungen lag ein Schwerpunkt auf dem Ansatz der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Die Gruppe setzte sich außerdem mit verschiedenen methodischen Zugängen auseinander, diskutierte Anpassungen entsprechend Zielgruppen und Rahmenbedingungen und entwickelte Projektideen. Mit Blick auf aktuelle Beteiligungsformen von Jugendlichen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz wurde festgestellt, dass ein großes Engagement von Jugend (Stichwort Fridays for Future) existiert, dieses mit seinen Forderungen aber teilweise weiter nicht ernst genommen wird und bisher kaum in Top-Down-Strukturen einbezogen ist.

Fotodokumentation „Jugendarbeit im Kontext von Fridays for Future und Nachhaltigkeitsdebatten“, Workshopleitung: Anne Kienappel & Cordelia Möhrer, Naturschutzjugend Brandenburg

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Zweiter Tag:

In den Workshops wurden darüber hinaus jeweils Fragen und / oder Forderungen erarbeitet, die Vertreter*innen aus den vier Gruppen in die Podiumsdiskussion mit den jugendpolitischen Sprecher*innen am Folgetag einbrachten. Der Einladung zum Gespräch waren Sprecher*innen fast aller im Landtag aktuell vertretenden Fraktionen gefolgt: Kristy Augustin, CDU, Petra Budke, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Hardy Lux, SPD, Volker Nothing, AfD und Isabelle Vandre, DIE LINKE. 

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Die vorgetragenen Forderungen der Teilnehmenden betrafen unter anderem ein Stimmrecht für Jupas in kommunalen Gremien und ihre finanzielle Unterstützung für die Umsetzung von Projekten sowie die Notwendigkeit der (weiteren) Öffnung von Verwaltungen für das Thema Jugendbeteiligung. Als bedeutsam wurde die Rolle adäquater Sprache für eine funktionierende Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Jugend, Jugend(sozial)arbeit und Verwaltung herausgestellt und die Idee von Qualifizierungen bekräftigt. Zum Thema Gendergerechtigkeit gingen vor allem zwei Forderungen in Richtung Politik: die eigene Vorbildfunktion zu verstärken - sowohl im Kontext geschlechtergerechter Sprache als auch bei der Vergabe politischer Ämter - sowie für die Berücksichtigung des Themas bereits in Kitas und in der Erzieher*innenausbildung stärker Sorge zu tragen. Darüber hinaus wurde beispielsweise angeregt, sich mehr für nachhaltige Formen von Mobilität für Jugend im ländlichen Raum einzusetzen und für die stärkere Integration von Umwelterziehung in die Rahmenlehrpläne von Schule. Vorgeschlagen wurde ebenfalls, dass Entscheidungsträger sich stärker an selbstgewählten Formaten der Jugend beteiligen.

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Die Podiumsdiskussion stellte insgesamt eine gute Gelegenheit dar, der Politik auf Landesebene „Futter mit auf den Weg zu geben“ und so die Vertretung von Interessen einzuüben. Positive Signale seitens der Politiker*innen gab es unter anderem dafür, das Stimmrecht von JuPas weiterzuentwickeln, einen Projektfonds auf Landesebene zu schaffen, zumindest für Kommunen, die finanziell weniger gut aufgestellt sind, innerhalb der eigenen (Partei-)Strukturen für eine Öffnung von Politik und Verwaltung gegenüber dem Thema Jugendbeteiligung zu wirken und nach jugend- und bürgergerechten Alternativen zu Sprache und Sitzungskultur von Verwaltung und Politik zu suchen.

Mit einem vertiefenden Austausch zu drei Themen (kreisweite Beteiligung, noch einmal Nachhaltigkeit und eine offene Runde) sowie einer gemeinsamen Auswertung mit vielen positiven Rückmeldungen und Anregungen für eine Folgeveranstaltung fand die Veranstaltung ihren Abschluss.

 

Text: Susen Hollmig & Fabian Brauns
Fotos: Andreas Schoop

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