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Infoabend: Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus

DSC 8366Welche Quellen hat der Islam, wo ist der Unterschied zwischen Islam und Islamismus und welche pädagogischen Tipps gibt es für die praktische Arbeit? Diese Fragen diskutierten der Berlin-Brandenburgische Landjugend e.V. am 8. November in Fehrbellin zusammen mit zwei Expert_innen des Ufuq e.V. (www.ufuq.de), dem Portal für Pädagogik zwischen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus.
 
Bei dem Infoabend berichteten Mirjam Gläser und Alioune Niang von den verschiedenen Quellen des Islams: dem Koran, welcher Glaubensrituale beinhaltet und der Sunna, welche das Leben des Propheten erzählt. Dabei wurden auch Begriffe wie Scharia und Dschihad diskutiert, deren Bedeutung oft nicht jedem bekannt ist. So steht Scharia wörtlich für „der Weg zum Wasser trinken“ und ist keine Liste oder Gesetzeswerk mit eindeutigen Regeln und Verboten. Stattdessen handelt es sich um einen Glaubensweg, welcher auf der Gesamtheit der religiösen Gebote basiert und das richtige Verhalten im Glauben vorgibt. Welcher Weg der Richtige ist, entscheidet jeder für sich.
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Wichtig ist es, zu unterscheiden zwischen der Religion Islam und dem Islamismus, einer fundamentalistischen Auslegung. So ist zum Beispiel der Salafismus eine Art des Islamismus. Aber ab wann wird die Auslegung problematisch und sogar freiheitsfeindlich? Die Referent_innen rieten den Teilnehmenden dazu, immer genau nachzufragen: Was meinst du eigentlich? Abwertungen und absolute Wahrheitsansprüche sollten mit Jugendlichen diskutiert werden. Attraktiv mache den Salafismus unter anderem ein einfaches Weltbild und einfache Wahrheiten von Gut und Böse in Kombination mit einer vorhandenen Gemeinschaft. In dieser fehle es jedoch an Wissen über den Islam.
 
Diskutiert wurde in der Gruppe auch die Frage, ob Muslim_innen sich für Attentate rechtfertigen müssen und wer welche Verantwortung trägt. Erinnert wurde dabei an den Fakt, dass die meisten Menschen auf der Welt, welche unter Islamismus und Anschlägen leiden, selbst Muslim_innen sind.
Durch die Arbeit mit Geflüchteten in der Region Ostprignitz-Ruppin und verstärkten Berührungspunkten mit dem Islam stellten die Mitglieder der Landjugend viele Nachfragen zum richtigen pädagogischen Umgang. Einen wichtigen Tipp hatten die Referent_innen von Ufuq e.V.: Fingerspitzengefühl dafür zu entwickeln, wie wichtig die Religion einem einzelnen ist und immer daran zu denken, dass es nicht den einen Islam gibt.
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Eine gewisse Religiosität sollte akzeptiert und auch wertgeschätzt werden. So zum Beispiel, wenn schon junge Mädchen fasten, obwohl es ihnen körperlich zusetzt. Die Religion erlaubt Kranken, Reisenden und Schwachen das Fasten auszusetzen. Die Referent_innen erinnerten daran, welche bedeutende Rolle Fasten im Monat Ramadan im Islam einnimmt und in der Familie dementsprechend anerkannt wird. Sie rieten dazu, dass Gespräch mit den Eltern zu suchen, aber auch zu berücksichtigen, was das Kind wolle.
 
In Diskussionen ist es wichtig, die Religion nicht zu überhöhen. So sei zum Beispiel in einer Klasse, in der ein Jugendlicher unter Druck gesetzt wird, weil er nicht am Ramadan teilnimmt, wichtiger über das „unter-Druck-Setzen“ zu sprechen als über den Ramadan. Wichtig sei es, immer nach Gründen zu fragen und das Handeln des Gegenübers zu verstehen. Hat es wirklich immer mit Religion zu tun? Kann die Kultur eine Rolle spielen? Habt keine Angst davor Fragen zu stellen und Regeln zu erklären, rieten die Expert_innen. Sie appellierten an die Ressourcen und Möglichkeiten, die eine Auseinandersetzung mit dem Islam mit sich bringen, so zum Beispiel auch zum Thema Geschlechtergerechtigkeit.
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Konsens war am Ende, dass es wichtig ist, auch religiöses Wissen zu erweitern. Zum Beispiel mit kleinen Details: Nämlich, dass Jesus auch im Islam als Prophet anerkannt wird. Eine ehrenamtliche Stimme der Landjugend fasste zum Abschluss zusammen: „Warum konzentrieren wir uns nicht auf die Verbindungen die wir haben? Wir sehen immer nur die Dinge, die uns trennen.“
 
Ufuq e.V., deren Name übersetzt Horizont bedeutet, wird wieder nach Fehrbellin kommen. In einem Workshop soll vertiefend auf die praktische Arbeit der ehren- und hauptamtlichen Mitglieder des B.B.L. e.V. eingegangen werden. Wer Interesse daran hat ist herzlich eingeladen, sich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu melden.
 
Fotos und Text: Mareen Ledebur